An einer Bushaltestelle.
Herr Mayer:
„Guten Tag !“
Herr Schmidt:
„Hallo, wie geht ´s ?“
Mayer(traurig):
„Achja....es könnte besser sein. Und selber ?“
Schmidt(traurig):
„Ja, bei mir auch...immer dieses blöde Problem.“
Mayer:
„Sie auch ? Also ich meine, Sie haben auch ein Problem, wo Sie keine Lösung zu finden ?“
Schmidt:
„Jaja, obendrein ist es mir auch sehr peinlich, daß ich ein solches Problem habe. Das ich mit dieser Sache, diesem Thema ein Problem habe.“
Mayer:
„Upps, ist ja bei mir genauso...ich will auch noch darauf hinweisen, daß es mir aufgrund der Peinlichkeit ungeheuer wichtig ist, daß niemand davon erfährt. Also was das Problem jetzt genau ist.“
Schmidt:
„Ist bei mir genauso, ist bei mir genauso. Die Schmach und das Gelächter, welches es bei den anderen Leuten hervorrufen würde, könnte ich nicht ertragen.“
Mayer:
„Gleichzeitig sollte man aber noch erwähnen, daß es ja auch ein Problem des Problems ist, wenn man sich nicht traut es jemandem zu sagen und man ganz alleine da steht. Man könnte zum Beispiel...“
Schmidt(unterbricht):
„Aber ich bitte Sie !!! Haben Sie denn keinen Anstand, keine Würde ? Sie können doch nicht ganz unehrenhaft jedem x-beliebigen mit ihrem Gejammer auf die Nerven gehen !“
Mayer:
„Wie kommt es, daß Sie sich dabei so sicher sind. Ich meine, daß es eine Schande ist, jemanden davon...“
Schmidt(ärgerlich):
„Na hören Sie mal !! Das ist unglaublich peinlich, wenn man ein solches Problem hat, das darf selbstverständlich NIEMALS jemand erfahren, ist doch klar ! Denken Sie doch an die verachtenden Blicke der Menschen, die davon erfahren würden. Die so ein Problem nicht haben. Vielleicht ist es ja bei Ihrem Problem nicht so dramatisch, bei meinem wäre es auf jeden Fall so. Diese schmachvolle Geringschätzung, dieses Aburteilen nur mithilfe von degradierenden Blicken, ohhh.“
Mayer:
„Stimmt, Sie haben recht. Davon darf NIEMALS irgendwann irgendwo jemand erfahren, ist bei meinem Problem genauso. Ich habe es auch noch nie jemandem gesagt, aus guter Vorsehung glaube ich. Ich war mir nur ein wenig unsicher gerade.“
Herr Görtler :
„Entschuldigen Sie die Störung, ich warte hier ebenfalls auf den Bus und habe Ihr Gespräch mitverfolgt.“
Schmidt(verärgert):
„Unverschämtheit so was !! Sie wollen doch nur unser Problem erfahren, mit dem wir seit Jahren schon geknechtet und gefoltert werden. Um es dann in der Nachbarschaft zu veröffentlichen und um uns zu peinigen.“
Mayer:
„DAS darf nicht wahr sein, wie können Sie nur.“
Görtler:
„Keine Sorge, ich habe aufgrund ihrer geheimnisvollen Erzählerei nicht herausgefunden, was ihr Problem ist. Ich hatte zum Glück auch noch nie ein Problem einer solchen Dramatik in meinem Leben. Deswegen werde ich denke ich auch nicht darauf kommen, was es denn nun ist. Aber ich meine...hehe....“
Mayer:
„Sagen Sie schon was Sie meinen.“
Schmidt(zornig):
„Wehe wenn....wehe wenn....ohhhh, wehe wenn Sie es doch herausgefunden haben. „Mein ist die Rache, ich werde vergelten“ sprach Jehova.“
Mayer:
„Ähhm, sagen wir es ihm doch einfach.“
Schmidt:
„NIEEE im LEBEN !“
Mayer(ruhig):
„Na kommen Sie...sagen wir es doch, daß wir ein Problem...ein Problem mit Fischen haben.“
Schmidt:
„NEEEIN....ähhh....ahso, stimmt, ja genau mit FISCHEN haben wir ein Problem.“
Mayer:
„Stimmt, deswegen das mit den degradierenden Blicken der Mitmenschen.“
Schmidt(ruhig):
„Wir essen nicht nur Fisch, wir cremen uns mit Fischöl ein.“
Mayer:
„Ach da fällt mir ein, ich muss mir noch ein frisches Dorschfilet kaufen.“
Schmidt:
„Weil das alte Filet vom vielen schrubben schon verbraucht ist, nicht ?“
Mayer:
„Genau, jede Woche brauchen wir einen neuen Waschlappen. Dorsch ist da am besten.“
Schmidt:
„Kabeljau ist dagegen ein schönes Schnupftuch.“
Mayer:
„Deswegen ist es uns enorm peinlich, wenn jemand davon erfahren würde.“
Schmidt:
„Aber Kollege, jetzt hat er es erfahren, und ? Ist doch alles halb so wild.“
Görtler:
„Naja, ich weiss jetzt nicht so recht, ob Sie mir da was vormachen, aber....angenommen, Sie machen mir was vor und haben sich das alles nur mit dem blöden Fisch ausgedacht um mich zu täuschen...weil Sie BEIDE in Wirklichkeit ein anderes Problem, welches weit aus schlimmere Ausmaße hat, haben...“
Mayer:
„(schluck) aber bitte....Sie sind so raffiniert...Sie wissen es bestimmt...nein...“
Schmidt(verzweifelt):
„Aber bitte nicht zur Zeitung schicken BITTE nicht !! Nicht in die Medien, ja ? Wenn Sie sich schon nicht beherrschen können und es UNBEDINGT der gesamten Nachbarschaft erzählen müssen, dann....na ja, das wäre nicht ganz so dramatisch, wir könnten ja aus der Stadt ziehen.“
Mayer:
„Oder das Land wechseln. Australien zum Beispiel. Ist schön weit weg.“
Schmidt:
„Aber bitte in Gottes Namen nicht diese skandalsüchtigen unberechenbaren Medien, bitte nicht. Danach dürsten die förmlich, die machen eine 80 Bilder Reportage daraus, um sich an unserem Schicksal zu ergießen und zu ergötzen.“
Görtler:
„Na gut, dann sage ich jetzt mal endlich, was ich schon die ganze Zeit sagen will.“
Mayer:
„Nein, diese Schmach. Auja, wie das wehtut !“
Schmidt:
„Bitte nicht, Sie können damit unser ganzes Leben versauen !“
Görtler:
„WIESO verdammt noch mal, wieso seid ihr euch denn so sicher, daß ihr BEIDE nicht das SELBE Problem habt !! Ihr jammert doch auf genau die gleiche Art herum ! Auf Wiedersehen !! (geht ein paar Meter zur Seite)“
Mayer:
„(schluck) Ohh, das hat gesessen.“
Schmidt(sauer):
„Ach dieser Wichtigtuer hat doch keine Ahnung. Sie haben bestimmt nicht DAS Problem mit welchem ich mich herumplage. Glaube ich nicht.“
Mayer:
„Stimmt, ist bei mir auch so. Ich bin sicher der einzige Mensch auf der Welt mit diesem Problem.“
Schmidt:
„Außerdem müssen wir noch lange nicht das selbe Problem haben, nur weil wir auf die gleiche Art herumjammern.“
Mayer:
„Genau, das ist wie mit dem Dorsch und dem Kabeljau. Zwei verschiedene Paar Fische. Liebend gern hätte ich diese Fisch-Anomalie statt meines wirklichen Problems.“
Schmidt:
„Problematisch wird es nur, wenn der Mann vorhin auf entweder mein Problem oder Ihres gekommen ist. Er nimmt zwar an wir haben beide das selbe, aber wenn er zum Beispiel Ihr Problem entlarvt hat und annimmt wir haben es beide. Tja, dann liegt er bei mir zwar falsch, aber bei Ihnen ja dann wohl goldrichtig, nicht ?“
Mayer:
„Ohhh, nein...“
Frau(freundlich):
„Entschuldigen Sie, können Sie mir vielleicht sagen wie spät es ist ? Der Bus hätte doch schon längst kommen müssen oder ?“
Mayer(unsicher):
„Ähmm...ohhh....ja, Sie haben recht, schöne Frau.“
Schmidt(schmeichelt):
„Natürlich hätte der Bus schon längst kommen müssen. Wenn Sie das sagen wird es stimmen. Ich schaue mal auf die Uhr ... Moment...ja Sie liegen goldrichtig, der Bus hat jetzt schon eine Verspätung von 5 Minuten.“
Frau:
„Vielen Dank.“
Mayer:
„Eine schöne...schöne Uhr haben Sie schöne Frau.“
Schmidt:
„Schöne Uhr, schöne Uhr, Sie haben unglaublich schöne Augen, liebe Frau. Da wird mir ganz mulmig zu Mute, wenn ich in dieses Azurblaue zu lange schau. Mir fangen die Knie an zu schlottern, wenn ich diesen sinnlichen Mund zu lange bewundere. Und bei dem Gesang Ihrer lieblichen Stimme fangen meine Sinne an völlig verrückt zu werden.“
Frau(irritiert):
„Hmmm...danke, danke.“
Mayer:
„Schöne Augen...ohhja...mein Problem ist übrigens....“
Schmidt:
„Und Ihre Figur, Ihre Figur, heilige Donnerkeule, da erregiert etwas in mir in höchstem Grade, diese geschwungene Hüfte, da muss ich doch mit meinem Gesäß gleich mitwippen. (Kniet sich hin) Ohhh, diese Beine, diese abgrundtief schönen aufregenden Beine. Ohhhja...“
Frau(verärgert):
„Bitte lassen Sie das !“
Mayer(entsetzt):
„Mein Problem ist jedenfalls das mit den...“
Schmidt:
„Ihre Füße, Ihre zarten fürchterlich niedlichen kleinen Füßlein, Sie haben doch nichts dagegen, wenn ich Sie mal mit meinen Händen streichle und liebkose.“
Görtler(lacht):
„HA !! Das ist es also, wie lächerlich. Ihr Problem. Wenn ich das den Meiers erzähle, das ist zu köstlich !“
Frau(erlöst):
„Ahh, endlich der Bus kommt.“
Mayer:
„Ich habe nämlich noch nie eine Frau...“
Schmidt:
„DIESE BRÜSTE..OHHH...JAAA....Ihre Titten, wie die freudig hin und her schaukeln, da muss man einfach zugreifen, alles andere wäre vulgär...Der Arsch erst, dieser pralle Hintern, ohhhh.“
Frau:
„Tschüß. Unverschämt so was !“
Bus fährt weg, Herr Mayer steht hilflos an der Bushaltestelle, Herr Schmidt kniet auf dem Wegrand.
Mayer:
„Ich glaube....wir haben doch das selbe Problem.“
Schmidt:
„Und die Meiers von neben an werden es auch demnächst wissen.“
Mayer:
„Stimmt, hat er ja gesagt, dieser Rüpel, daß er es weitererzählen wird.“
Schmidt:
„Australien, ich komme !“
Mayer(besorgt):
„Ohh, dieser Meier ist sowieso so sarkastisch und zynisch. Der wird das nicht nur weitererzählen, der schickt das bestimmt an ein renommiertes Satiremagazin, wir werden der Spott der Nation !“
Schmidt:
„Antarktis, ich glaube ich nehme lieber dich. Da ist es so ultrabrutal kalt, da wird bestimmt nichts aus Versehen erregieren.“
Mayer:
„Ich komme mit. Ausserdem werden da nicht solche bestechend schöne Frauen auf einen Bus warten. Schade, daß hier kein Bus zur Antarktis fährt. Grönland wäre auch ok.“
Schmidt:
„Dieses Schwein !! Wir werden jeden Tag dem Gelächter ausgesetzt, man wird immer mit dem Finger auf uns zeigen ! Wir werden extra zu Partys eingeladen, nur um mit leeren Flaschen beworfen zu werden. Und mit Bier wird man uns anspucken.“
Mayer(weint):
„Den kleinen Kindern werden unsere Mitmenschen immer sagen :“Pass auf, Kind, von diesen zwei musst Du dich fernhalten, die bringen grosses Unglück über dich. Das sind die Volltrottel der Nation, die können noch nicht mal eine....huaa...nicht mal mit einer Frau....nein..(weint)“
Schmidt:
„Mir wird das zu viel, ich gehe. Andromeda ich komme ! (geht weg)“
Mayer:
„Ich wollte das nicht wieder haben so....der hat angefangen damit, ich habe nur die Uhr bewundert...egal, ich gehe jetzt meine Sachen packen. Hoffentlich werden nicht irgendwelche Kleinkinder mich mit leeren Flaschen bewerfen. Und dann ziehe ich in den Untergrund...ja vergraben werde ich mich, ich werde mir richtige Stollen bauen und mit vielen Kaninchen zusammenleben. Und nie wird mich JEMALS IRGENDWER sehen!! (geht weg)“