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  Sozialamt
 
In dem Sozialamt in Pankow / Berlin. Herr Schuster und Herr Mayer sind Angestellte in der Kasse im Erdgeschoß.
 
Schuster:
„Und ? Haben Sie sich noch mit ihrer Frau gestern vertragen ?“
 
Mayer:
„Ja, ich habe mich mit ihr vertragen, wir sind dann noch gemeinsam essen gegangen. Alles in Butter. Es ist halt nicht einfach mit unserem kleinen Sohn, wenn beide Elternteile arbeiten gehen.“
 
Schuster:
„Das kenne ich, wir haben einen Hund zu hause und unser Nachbar muß manchmal mit ihm Gassi gehen, weil wir beide auf Arbeit sind.“
 
Draußen hat sich eine Schlange gebildet, ein Mann klopft vorne an die Fensterscheibe einer Tür.
 
Mayer(zynisch):
„Jaja, dieses Gesindel, schauen Sie sich die an ! Gammeln den ganzen Tag rum und betrinken sich tagsüber. Nur wenn es ums Geld geht, da sind sie dann früh aufgestanden und hellwach. Diese gefräßigen Schweine.“
 
Schuster(wütend):
„Und dann setzen die auch noch Kinder in die Welt, die sie nicht ernähren können. Vater Staat muß für das Rumgerammel blechen, so geht das aber nicht.“
 
Herr Mayer steht auf und öffnet mit einem abfälligen Blick die Tür. Die erste Person geht zu Herrn Schuster.
 
Schuster:
„Ja, bitte ?“
 
Mann:
„Hier, ich bekomme 340 €.“
 
Herr Schuster entnimmt der Kasse das Geld.
 
Schuster:
„Sind Sie auch auf Jobsuche ?“
 
Mann:
„Ja, das bin ich, ich gehe immer in die Bücherei um in der „Zitty“ und im „tip“ nach Stellenangeboten zu schauen. Und im Stellen-Informations-Service bin ich auch gewesen.“
 
Schuster:
„Was haben Sie denn gelernt ? Oder haben Sie studiert ?“
 
Mann:
„Ich bin ausgebildet im Rätselverkauf.“
 
Schuster(irritiert):
„Rätselverkauf ?“
 
Mann(froh):
„Ich verkaufe in kleinen Röllchen Rätsel. Zum Beispiel : Wer hat die Engelsburg im Vatikan erbaut ? War es Augustus oder Hadrian ?“
 
Schuster(sauer):
„Sie müssen einen Job machen, von dem Sie ganz alleine leben können, ohne Unterstützung vom Staat.“
 
Mann:
„Das Geschäft würde besser laufen, wenn die Leute mehr Spaß am Raten hätten.“
 
Der Mann nimmt sein Geld und geht .Nach ihm kommt ein anderer Herr.
 
Schuster:
„Haben Sie einen Job erlernt ? Sind Sie auf Jobsuche ?“
 
Mann2(stolz):
„Ich bin auf Jobsuche und mein Beruf ist Poet.“
 
Schuster(abwertend):
„Poet, daß ich nicht lache. Wer braucht den heute schon Gedichte. Haben Sie sich bei einem Verlag beworben ?“
 
Mann2:
„Ich mache es anders, ich gehe auf die Kunden direkt zu. Ich gehe in Cafes und Restaurant und spreche die Leute dort an.Ich kann es Ihnen ja mal zeigen, wie ich es mache. Dazu bräuchte ich erstmal Ihren Vornamen.“
 
Schuster(ärgerlich):
„Das könnte Ihnen wohl so passen. Mein Vorname geht Sie nichts an.“
 
Mann2:
„Na, dann mache ich es mit Ihrem Nachnamen, der hängt ja an ihrer Brust. Schuster. Ich werde mit den Anfangsbuchstaben ihres Namens ein Gedicht verfassen.
Soll ich es heute noch probieren
Clown zu sein auf allen Vieren,
hungrig und durstig bin ich jetzt,
Und in meinem Stolz nun verletzt.
So soll es sein...“
 
Schuster(unterbricht):
„So, Schluß damit, ich will es nicht mehr hören. Statt daß sie Ihre Arbeitskraft in einer Werkstatt oder einer Baustelle anbieten, machen sie so einen Griff ins Klo. Was soll man damit anfangen ?“
 
Mann2:
„Sie haben keinen Sinn für Poesie. Geben Sie mir das Geld.“
 
Schuster(sauer):
„Das schöne Geld könnte man so gut anlegen, statt dessen verschwenden wir es an Leuten wie Sie, die einfach zu faul zum arbeiten sind. Hier das Geld, gehen Sie bitte !“
 
Der Mann2 geht und eine Frau mit drei Kindern ist an der Kasse.
 
Schuster(ärgerlich):
„Wieso haben Sie drei Kinder, die Sie dann doch nicht alleine ernähren können ?“
 
Frau:
„Ich bin schwanger, ich kann nicht arbeiten.“
 
Schuster:
„Sie haben doch schon drei Kinder.“
 
Frau:
„Und neun sind in der Schule. Ich habe 12 Kinder.“
 
Schuster:
„Haben Sie einen Beruf erlernt ?“
 
Frau:
„Das geht Sie nichts an.“
 
Schuster:
„Ich darf doch mal fragen dürfen.“
 
Frau(stöhnend):
„Mein Beruf ist das gebären von Kindern. Ich habe schon mehr gezeugt als Ursula von der Leyen, unsere Familienministerin.“
 
Schuster:
„Die kann aber auch für sich selber sorgen und muß nicht auf Kosten anderer leben.“
 
Frau:
„Ich hoffe ich breche bald den Rekord in Deutschland, 16 Kinder ist der Rekord in unserem Land. Und dann werde ich zu ‚Vera am Mittag‘ eingeladen oder zu ‚tv total‘. Dann bekomme ich Geld und muß nicht mehr auf Kosten des Staates leben.“
 
Schuster:
„So ein Blödsinn, was ist wenn Sie denn Rekord nicht schaffen ? Und selbst wenn Sie es schaffen, können Sie die ganzen Jahre, die Sie Sozialhilfe bekommen haben, zurückzahlen ?“
 
Frau:
„Na, wenn ich nicht genug Geld bekomme, dann versuche ich noch den Europa- und den Weltrekord zu brechen. Der letztere liegt bei 24 Kindern.“
 
Herr Schuster gibt genervt der Frau das Geld. Danach kommt eine junge Frau.
 
Schuster:
„Was ist ihr Beruf ?“
 
Frau2(glücklich):
„Ich habe den Beruf ‚Gucken‘ erlernt. Das macht mir mein Leben lang schon Spaß.“
 
Schuster:
„Wie bitte ? Gucken ist ihr Beruf ?“
 
Frau2:
„Ich war schon in der Schulzeit begeistert von dem Leistungskurs ‚Gucken‘. Ich war auf einer Waldorfschule. Danach habe ich im Selbststudium mein Diplom im Gucken gemacht.“
 
Schuster:
„Und was ist die Aufgabe des Berufes Gucken ?“
 
Frau2:
„Na richtig Gucken ist gar nicht so einfach wie viele denken. Man muß sich ertsmal überlegen, was man angucken möchte. Dann muß man entscheiden ob man es alleine angucken will oder in einer Runde von Menschen. Dann ist der Winkel wichtig, es gibt da einen Unterschied ob man ein Gegenstand von 45° oder von 90 ° anschaut. Dann die Sitzhaltung, die...“
 
Schuster(verärgert):
„HÖREN Sie auf, das ist ja unerträglich. Kein Wunder, daß Sie von Arbeitslosengeld II leben, wer braucht schon so einen Mist den Sie anzubieten haben. Hier das Geld, gehen Sie aus meinen Augen !“
 
Frau2:
„Beherrschen Sie sich doch mal, Sie tun ja gerade so als ob das Geld von Ihnen persönlich kommen würde was ich bekomme.“
 
Schuster:
„Der nächste, bitte !“
 
Mann3:
„Hallo, ich bekomme auch 340 € heute.“
 
Schuster:
„Und schon in dem Stellen-Informations-Service heute gewesen ?“
 
Mann3:
„Den brauche ich nicht, ich bin selbständig.“
 
Schuster(sauer):
„Warum sind Sie dann heute hier und wollen Geld ?“
 
Mann3(traurig):
„Weil ich mit meinem Job nicht genug Geld bekomme.“
 
Schuster:
„Na, Sie scheinen ja gar kein Geld zu bekommen, sonst würden Sie den Höchstsatz von 340 € nicht bekommen.“
 
Mann3:
„Ja, ich weiß, es könnte besser laufen.“
 
Schuster:
„Was ist denn Ihr Job ?“
 
Mann3:
„Ich bin ein Warentester. Die Produkte, die ich bei „Penny-Markt“ oder bei „Netto“ einkaufe, teste ich zu Hause und dann schicke ich den Firmen der Produkte mein Gutachten.“
 
Schuster:
„Arbeiten Sie für das Blatt „Stiftung Warentest“ ? Dann müßten Sie doch genug Geld bekommen.“
 
Mann3:
„Nein, wie ich schon sagte, ich bin freiberuflich und selbständig. Der Käse von der Firma „Lindenhof“ zum Beispiel schmeckt mir nicht gut genug, die Wurst von „Bauer´s“ schmeckt gut und die Margarine „Bonita“ schmeckt ausgezeichnet. Die Cola „Finale“...“
 
Schuster(unterbricht):
„Achso, sie kaufen sich ihre Lebensmittel, essen die zu Hause und schicken den jeweiligen Firmen einen Brief ?“
 
Mann3:
„Genau, so mache ich es. Ich habe ein spezielles Wertungssystem in Prozent. 0-19 % ist die Wertung „Hilfe“, 20-39 % die Wertung „Naja“, 40-59 % ist „geht so“, 60-79 % ist „gut“ und 80-99 % ist super. Die Cola „Finale“ von Penny bekommt die Wertung 80 %, weil die auch schön billig ist, der Preis kommt natürlich auch noch in die Wertung.“
 
Schuster:
„Sie schreiben die Briefe an die Firmen aus freien Stücken, bekommen Sie denn eine Antwort ?“
 
Mann3(traurig):
„Selten, meistens schicken die mir Prospekte mit ihren Produkten.“
 
Schuster:
„Und wer bezahlt Sie ?“
 
Mann3:
„Ich sagte doch schon, ich bin freiberuflich und selbständig. Ich hätte zwar gerne Geld dafür, aber die Firmen schicken mir keins.“
 
Schuster(sauer):
„Mannomann, anstatt daß Sie auf Arbeitsuche gehen, schlagen Sie sich die Wampe voll und schreiben sinnlose Briefe. Sie Gammel-Peter, Sie fauler Mensch, Sie ! Hier ihr Geld !“
 
Herr Schuster bittet den nächsten Sozialhilfeempfänger rein.
 
Schuster(zynisch):
„Na, und Sie wollen sicherlich auch den Höchstsatz gleich, nicht wahr ? Und Sie brauchen den, Moment lassen Sie mich raten, genau, Sie brauchen den, weil Sie Computerspiele und die Palystation2 testen, natürlich freiberuflich, Sie sind ja selbständig. Ihre Aufgabe ist es diese Spiele ‚anzugucken‘, das haben Sie natürlich auf der Freien Universität gelernt, wie man Spiele der Playstation2 anguckt. Und dann schicken Sie „Sony“ einen Brief in dichterischer Fassung. Und dann...“
 
Mann4(unterbricht):
„Ich will endlich mein Arbeitslosengeld II bekommen. Ich bin seit 30 Jahren Dachdecker, habe aber meinen Job verloren, weil meine Firma pleite gegangen ist. Was fällt Ihnen ein, Sie haben doch so eine schönen und angenehmen Job hier und machen trotzdem die Leute hier an.“
 
Schuster:
„Achso, Sie sind Dachdecker und müssen jetzt von Hart IV leben, sorry, Ich gebe ihnen ihr Geld sofort.“
 
Mann4(verärgert):
„Ich habe dann meinen Job aufgeben müssen und habe dann eine Arbeit als Gemüseverkäufer bei Kaisers angenommen, von 8-18 Uhr. Dann war ich noch abends im Cafe kellnern und dann nachts noch Morgenpost austragen. Sie dagegen sitzen hier auf Ihren fetten Arsch und drücken sich Mitesser aus, Ihre Tätigkeit ist Papierscheine zu zählen und dann machen Sie so ein Theater !“
 
Herr Schuster gibt sofort dem Mann4 das Geld. Danach kommt eine junge Frau an die Kasse. Sie trägt einen Kopfhörer und hört Musik. Herr Schuster beeilt sich mit dem Geld und steckt es durch den Schlitz. Dann fragt er laut, damit die Frau es hört, welche Musik sie hört. Sie reagiert aber nicht und Herr Schuster ruft laut :“Wenn Sie die Musik so laut aufdrehen, daß Sie mich nicht hören, dann muß es gute Musik sein !“
Der nächste ist ein junger Mann, welcher Game Boy spielt. Schnell gibt Herr Schuster dem jungen Mann das Geld und fragt ihn, was für ein Spiel er spielt, er selber hat auch einen Gameboy zu Hause. Herr Mayer bekommt den Sinneswandel des Herrn Schusters langsam mit und wundert sich. Denn er mault seine ALGII-Empfänger weiterhin an.
Da kommt auf einmal Mann4, der Dachdecker, zurück zu Herrn Schuster.
 
Mann4:
„Hallo, ich habe noch mein Sozialticket vergessen .Hier mein Paßbild und mein Bescheid, der..“
 
Schuster(unterbricht):
„Gehen Sie bitte zu meinem Kollegen, Herrn Mayer. Der wird Ihnen eins austellen.“
 
Herr Schuster lehnt sich zurück und ist gespannt, ob bei Herrn Mayer auch einen Sinneswandel stattfindet...
 
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